Ratcon 2026

Zum dritten Mal fand die Ratcon im Neuen Bürgerhaus in Langen statt. Inzwischen ist man da fast schon heimisch, hat sich eingewöhnt, die Startschwierigkeiten behoben, Routinen entwickelt, und alles läuft wie am Schnürchen, oder? ODER?!

Eingerenkt haben sich auf jeden Fall schonmal die Preise. Genau wie letztes Jahr zahlte man 25 € fürs Wochenendticket, und 25 € für die Kaffeeflat. An der Tageskasse war es teurer.

Ich liebe Kaffeeflats, aber 25 € sind über meinem Heißgetränke-Budget, deshalb ließ ich die Tasse auch heuer wieder links liegen.

Nicht eingerenkt hat sich die Spielrundenanmeldung. Denn diese war neu, und… uff.

Spielrundenanmeldung aus der Hölle

In den letzten Jahren – ich glaube seit der Ratcon 2023? – half das Team rund um die Dreieichcon Ulisses dabei, die Veranstaltung zu organisieren. Dieses Jahr nicht. Ulisses trennte sich auch von conservices, dem Anmelde-Tool für Spielrunden, das die Dreieichcon entwickelt hat. Diesem Tool begegnete ich erstmals auf der Ratcon 2022 und beschwerte mich damals bitterlich darüber. Das krankte einfach an jeder Stelle. Inzwischen läuft conservices aber ziemlich rund. Ich glaube, es ist immer noch nicht wirklich Smartphone-freundlich, aber ansonsten hat es alle Kinderkrankheiten ausgemerzt, ist erprobt, und macht genau das, was es soll.

Dieses Jahr gab es ein Ulisses-eigenes Tool. Und das hatte wieder all die Kinderkrankheiten, die conservice zu Beginn mitbrachte. Will sagen: Es kam direkt aus der Hölle.

Offenbar hat Ulisses irgendein existierendes Ticket-System umgemodelt. Das Ergebnis wirkt wie eine hastige Auftragsarbeit, die jemand erledigte, der noch nie im Leben auf einer Con eine Spielrunde gespielt hat.

Es gibt viel zu meckern, aber ich schone mal meinen Blutdruck und beschränke mich mal auf drei Punkte, die mich ganz besonders ärgerten:

Wieder nix mit ‚mobile first‘

Das Tool ist nicht Handy-geeignet. Warum nicht?! Wenn man schon auf conservices verzichtet, um was Eigenes aufzusetzen, hätte man dann nicht die eine Sache, die conservices nicht so richtig gut macht, verbessern können?

Ich meine… schau dir das an.

Screenshot Anmeldetool Ratcon 2026

Das ist ein Screenshot von meinem Handy. Es sieht nicht nur blöd aus, dass das grüne Dropdown über den Bildschirmrand hinaus geht. Denn es geht nich nur über den Bildschirmrand hinaus, sondern ganz allgemein über den Rand des navigierbaren Inhalts. Rechts von ihm sollte aber noch ein weiteres Dropdown-Menü sein: Das, mit dem man filtert, ob man freie Plätze, volle Runden, oder beides anzeigen lassen möchte. Diesen Filter kann man mobil nicht erreichen.

Klar, hier hilft die Desktop-Ansicht des mobilen Browsers weiter. Aber wenn man die benutzen muss, dann ist eine Website eben nicht mobile friendly.

Kein Abmelde-Button

Wenn du nicht an einer Spielrunde teilnehmen kannst oder willst, für die du dich eingetragen hattest, musst du eine E-Mail schreiben, um dich auszutragen. Das geht nicht per Knopfdruck, wie man das 2026 erwarten sollte.

Eine E-Mail muss erstmal jemand lesen. Aber die Person, die dafür zuständig war, saß auch gleichzeitig am Infostand, und hatte nicht die Kapazitäten, sich vernünftig um Spielrundenan- und Abmeldungen zu kümmern. (Dazu später nochmal mehr.)

Wenn du kurzfristig feststellst, dass du in einer Runde nicht mitspielen kannst, werden deine Mitspielenden einfach vergeblich auf dich warten, und es kann nur jemand nachrücken, wenn er/sie zufällig am Spieltisch steht, mitbekommt, dass jemand fehlt, und dann einspringt. (So passiert in der Discworld-Runde, über die ich gleich noch rede.)

Alles anonym

Man kann nicht sehen, wer eine Spielrunde anbietet.

Das finde ich ganz besonders problematisch. Ich habe auf Cons auch schon wirklich schlechte Erfahrungen gesammelt. Klar merke ich mir die Namen der SLs, um sie zukünftig zu meiden. Bestimmt gibts auch Leute, die keinen Bock haben, in einer Runde zu sitzen, die ich anbiete. Das ist okay. Die möchte ich da dann auch nicht haben.

Umgekehrt gilt das auch: Es gibt SLs, die sind fantastisch. Bei denen spiele ich alles mit. Da ist mir egal, was sie anbieten, und das Namensfeld ist wichtiger als das Feld fürs Spielsystem.

Wenn ich nicht sehen kann, wer eine Spielrunde anbietet, fehlt mir eine wichtige Information, um eine gut informierte Entscheidung zu treffen.

Ich halte das für das wichtigste Safety Tool überhaupt, noch vor der X-Karte: Wissen, mit wem man spielt!

Die Anmelde-Maske hat sogar ein Feld, in das man seinen Namen eintragen muss. Wieso, wenn das nirgendwo ausgegeben wird? Okay, ich weiß nicht, ob der nicht vielleicht in der Bestätigungsmail auftaucht, die man bekommt, wenn man eine Runde anmeldet. Denn ich habe für meine Runde keine Bestätigungsmail bekommen. -_-

Es gäbe noch so viel zu sagen zu dem, was bei diesem Tool schief läuft. Aber ich spare uns das mal. Wenn du dazu noch Redebedarf hast, hau in die Tasten, und lass einen Kommentar da, mit dem, was dich am meisten störte.

Ich komme jetzt erstmal zu etwas Erfreulichem: Meine Spielrunden.

Freitag Abend: Mothership – The Haunting of Ypsilon 14

Ich hatte richtig Lust auf Mothership. Aber es gab nur eine Runde, und die Plätze waren sofort voll. Irgendwann wurde aber einer frei, und den schnappte ich mir schneller als Lucky Luke schießen kann.

Mothership ist purer Sci-Fi-Horror. Es ist das Alien-Rollenspiel, aber ohne Franchise, und es ist kein Trad-Game, sondern knallhartes, tödliches OSR. Ich lieb’s.

The Haunting of Ypsilon 14 ist ein kurzes, knackiges Szenario, in dem man endlich mal Charaktere spielen kann, die den Call to Adventure ablehnen, ohne dass man dann das Abenteuer verpasst.

Ich hatte mordsmäßig Spaß, und ich fürchte, ich werde nicht drum herum kommen, mir Mothership zuzulegen. Das ist schon ziemlich genau meine Marmelade.

Das wahre Grauen an diesem Abend war aber leider nicht das Monster, sondern die Lautstärke im Spielraum. Ich bekam nur so 80% dessen mit, was der Spielleiter erzählte. Den Rest schluckte die Umgebungslautstärke. So ging das in allen Räumen. Hier hat sich in den letzten drei Jahren leider nichts getan.

Freitag Nacht: Beak, Feather & Bone (Ausgefallen)

Die Mothership-Runde war planmäßig kurz. Daher hatte ich bereits Donnerstag Abend beschlossen, für Freitag Nacht noch eine schnelle Runde Beak, Feather & Bone nachzuschieben.

Die wurde aber nie freigegeben. Als ich am Infostand nachfragte, ob ich vielleicht bei der Eingabe etwas falsch gemacht habe, war die Antwort: „Nein, ich hatte nur keine Zeit, mich um Spielrundenanmeldungen zu kümmern. Ich war ja hier mit Aufbau und allem beschäftigt.“

Ich finde das nicht cool. Ich gebe mir durchaus Mühe bei der Beschreibung einer Runde. Das ist Zeit und Arbeit, die ich mir gerne sparen würde, wenn ich wüsste, dass sie vergeblich ist. Aber damit ich das wissen kann, hätte man an irgendeiner Stelle mal mit mir kommunizieren müssen. Ich hatte immer ein Auge auf die Website und auf den Discord-Kanal. Aber es dort nur die winzigsten Häppchen an Infos.

Das war eine ziemliche Enttäuschung. Zu der gesellte sich dann noch Irritation, als ich feststellte, dass das nicht die ganze Wahrheit gewesen sein konnte. Denn es fanden am Freitag Abend noch Runden statt, die definitiv nach meiner eigenen Anmeldung eingereicht wurden. Ich weiß das, weil man im Drop-Down jedes System sehen kann, für das jemand eine Anmeldung abgeschickt hat, selbst solche, die nicht freigegeben oder zurückgezogen wurden. Und einige Systeme, die Freitag gespielt wurden, waren Donnerstag Abend, als ich Beak, Feather & Bone anmeldete, noch nicht drin.

Keine Ahnung, was da los war. Mir hatte es jedenfalls einen Dämpfer in meiner Begeisterung verpasst. Das wurde erst besser, als ich zurück in meiner Unterkunft war, und feststellte, dass ich die Spielmaterialien für Beak, Feather & Bone dort liegengelassen hatte. Ein Glück, dass die Runde nicht stattfand. Das wäre echt peinlich geworden.

Samstag Morgen: Bäckerei Bauder – Seele Mediterran

Langsam kenne ich mich in Langen aus. Bei Bäcker Bauder gibts nicht nur Kaffee, der okay ist, es gibt vor allem die Seele Mediterran. Die kann man pur wegfuttern, ohne irgendwas dazu. Ideal für den Con-Hunger.

Auch dieses Jahr war das wieder meine erste morgendliche Anlaufstelle.

Nein, ich werde nicht gesponsort. Aber hey, das kann sich ja noch ändern. Kontakt-Möglichkeiten sind im Impressum.

Samstag Vormittag: Perils & Princesses – The Drakenfall Faire

Foto vom Spieltisch

Es ist kein Geheimnis, dass ich OSR-Zeugs liebe. Aber was ich nicht liebe, ist die Tatsache, dass Old-School-Gaming zum Großteil nur Leute anzieht, die Klaus oder Helmut heißen. Mit denen spiele ich zwar auch gerne, aber wenn ich’s mir aussuchen darf, hätte ich schon lieber eine diverse Runde.

Lo and behold: Perils & Princesses ist ein OSR-System, in dem man Prinzessinnen spielt. Ja, auch du, Klaus!

Ich spielte das zum ersten Mal auf der Dreieichcon 2025, und ich finde es ganz fantastisch.

Für die Ratcon bereitete ich The Drakenfall Faire vor. Darin besuchen die Prinzessinnen einen Jahrmarkt. Der Großteil des Abenteuer besteht tatsächlich darin, die verschiedenen Buden zu besuchen, mit NSCs zu interagieren, und unschuldigen Spaß zu haben. Idealer Zeitvertreib für eine Con-Runde, finde ich.

Tatsächlich hießen nicht alle am Spieltisch Klaus. Jedenfalls denke ich das. Kann immer sein, dass ich die Namen falsch verstanden habe, denn es war so verdammt laut um uns herum, dass ich oft eher erfühlte, was meine Mitspielenden sagten. Heuer gab es nicht mal mehr diese Trennwände zwischen den Tischen, die wenigstens ein bisschen Schall schluckten.

Lirum larum: Ich empfehle Perils & Princesses. Es ist ein ziemlich einzigartiges System, ideal für Kurzkampagnen, aber eben auch für die spaßige Runde auf einer Con. Es hat auch genug Crunch, um Trad-Gamer abzuholen, behaupte ich.

Samstag Mittag: Nichts?!

Den Rest des Con-Samstags hatte ich nicht verplant. Ich hatte einfach keine Runde gefunden, die mich ansprach, und die noch freie Plätze hatte.

Das ist eines der Probleme, für die ich Ulisses nicht verantwortlich mache. Ulisses gibt ausschließlich Trad-Games raus, und die Ratcon ist eine Ulisses-Con. Deshalb werden dort zu einem großen Teil Trad-Games angeboten. Ich mag lieber alles andere als Trad, daher kann es passieren, dass ich mal leer ausgehe.

Gut, wenn man einen Abmelde-Button hätte, und keine Mail schreiben müsste, die niemand liest, dann wäre sicherlich die Fluktuation höher, und damit meine Chance, spontan in einer der wenigen Runden zu kommen, die mich interessierten. Aber dass es nur wenige Runden waren, und dass diese schneller gefüllt waren, als ich mich anmelden konnte, das ist nicht Ulisses‘ Schuld.

Florian, warum gehst du überhaupt auf die Ratcon, wenn der der Großteil der Spiele und des Programms nicht interessieren, und wenn dich immer so viel an der Organisation aufregt?

Das ist eine wirklich gute Frage, die ich mir später nochmal kritisch stellen muss, aber die schnelle Antwort ist: Ich treffe da großartige Menschen aus ganz Deutschland, und hab die Chance, mit ihnen meinem Lieblingshobby nachzugehen.

Deshalb war es für mich gar kein Problem, mir eine Handvoll von ihnen zu schnappen, und spontan eine kleine Runde zu spielen. Und so kam ich doch noch zu…

Samstag: Beak, Feather & Bone

Das Spiel geht schnell, 90-120 Minuten, da findet man sicher noch einen Tisch, oder?

Ja. Unbürokratisch bekam ich am Infostand noch einen freien Tisch zugeteilt. Gaming Area 5, also draußen. Cool, ich spiel eigentlich gerne draußen, wenn man da ordentlich sitzen kann.

Gaming Area 5 war komplett leer. Kein Wunder: Biergarnitur in der prallen August-Sonne. Über 30 Grad und keine Möglichkeit, der Sonne zu entkommen.

Foto von einem Spieltisch Gaming Area 5

Manche hatten die Bänke und Tische genommen und irgendwohin getragen, wo es Schatten gab. Das war aber nicht gerne gesehen, vermutlich wegen irgendwelcher Sicherheitsvorschriften. Als ob das Spiel in der prallen Sonne in irgendeiner Form sicherer wäre, als an einem kühleren Ort.

Wir hingegen suchten uns einen Platz im Biergarten. Da gab es Schatten, und die meisten Sitzbänke hatten Rückenlehnen. So taten es auch viele andere Runden.

Diesmal hatte ich alles dabei: Regeln, Stadt-Karte, Buntstifte, Spielkarten.

In Beak, Feather & Bone glotzt man gemeinsam auf eine Karte, malt Gebäude an, die man gerne hätte, und beschreibt diese dann. Es ist ein Map-Labelling Erzählspiel, dessen Kernkomponente es ist, gemeinsames Worldbuilding zu betreiben.

Ich mag sowas gerne. Kreative Fingerübungen, die wirklich Spaß machen. In der Uni hatte ich mal einen Workshop zum Thema „Kreativitätstechniken“, und ich wundere mich bis heute, wie es sein kann, dass es auf der einen Seite Fachleute gibt, die sich mit Techniken beschäftigen, um Kreativität zu fördern, und auf der anderen Seite existieren Indie-Games, die das einfach machen. Keine der Techniken, die die Fachleute damals vorstellten, kamen auch nur ansatzweise an das heran, was ich aus der Erzählspiel-Ecke kenne.

Lange Rede, kurzer Sinn: Das waren zwei gute Stunden.

Samstag Abend: Blood on the Clocktower

Plötzlich war doch noch etwas Neues in der Liste der Spiele, und es hatte jede Menge freie Plätze: Blood on the Clocktower. Okay, warum nicht?

Ich weiß nicht, wie ich es geschafft habe, in meinem Leben jede Gelegenheit verpasst zu haben, die Werwölfe von Düsterwald zu spielen. Jede*r in meinem Bekanntenkreis kennt das. Aber offenbar haben sie das immer ohne mich gespielt? – Rechtfertigt euch!

Blood on the Clocktower ist jedenfalls ein „Social deduction game“, also sehr ähnlich wie Werwölfe, nur mit mehr verschiedenen Rollen.

Ich hatte Spaß. Vor allem war ich fasziniert davon, wie die Spielleitung es schaffte, bei einer Gruppe von ca. 15 Personen immer den Überblick zu behalten, zwischendurch durchzugreifen und für Ordnung zu sorgen, ohne dass es jemals ruppig wirkte, oder frustrierend wurde. Hut ab!

Meinen Hut ziehe ich auch vor dem Dämon, der es schaffte, mich so lange an der Nase herumzuführen, bis es zu spät war, um ihn aufzuhalten. Großartig.

Samstag Nacht: Weinfest

Ich finde es irgendwie ulkig, dass immer irgendein Stadtfest in Langen gefeiert wird, wenn die Ratcon vor Ort ist. Letztes Jahr stolperte ich über die Langener Kerb. Dieses Jahr war zeitgleich das Weinfest – und zwar direkt gegenüber der Neuen Stadthalle, in der die Ratcon stattfand. Das hatte einen handfesten Vorteil: Das Essen dort war günstiger als in der Stadthalle. – Folge mir für mehr Spar-Tipps!

Wir gönnten uns jedenfalls noch einen Cocktail, und mischten uns unter die feiernden Langener, um einen in großen Teilen improvisierten Con-Abend ausklingen zu lassen. Die Weinfest-Atmosphäre war ein interessanter Kontrast zur Ratcon. Gemeinsam hatten sie eines: Auf beiden Veranstaltungen war es selbst für introvertierte Stubenhocker leicht, mit Fremden ins Gespräch zu kommen. Das finde ich sehr angenehm.

Sonntag Morgen: Bäckerei Bauder – Seele Mediterran

Ähm. Hab ich erwähnt, dass die Seele Mediterran sehr gut ist?

Da sind auch Oliven drin.

Sonntag: Scheibenwelt – Rauchschwaden

Franchise-Rollenspiele lösen in mir selten Begeisterung aus. Egal worum es geht: Es gibt immer einen größeren Nerd als dich, und der wird dich derartig zuklugscheißern, dass du nicht mehr weißt, ob du noch in einer Spielrunde sitzt, oder schon im Fegefeuer, wo du für deine Verbrechen gegen die Regeln guter deutscher Sprache bestraft wirst. Denn seien wir ehrlich: Es gibt keine deutschere Freude, als es besser zu wissen, und das kund zu tun.

Und deshalb musste ich überredet werden, mir das Scheibenwelt-Rollenspiel anzutun.

Danke, Ingo. Ich habe es nicht bereut. Im Gegenteil.

Das Scheibenwelt-Rollenspiel steht irgendwo im Grenzbereich zwischen Trad-Game und Erzählrollenspiel. Es ist ein narratives Spiel ohne Spiel-Werte, Talente oder Eigenschaften. Gleichzeitig wird die klassische Rollenverteilung beibehalten, bei der das Erzählrecht über die Welt ausschließlich bei der Spielleitung liegt.

Die Regeln sind geradezu lachhaft einfach, und decken doch alles ab, was man braucht. Ich kann sie dir nach einmaligem Spielen sofort recht vollständig vermitteln, und das in kürzerer Zeit, als ich brauchen würde, um dir die Mörk Borg Regeln nahezubringen. Und das ist schon etwas, das ich in Rekordzeit fertig bringe.

Das Abenteuer – Rauchschwaden – ist ein kurzes Sandbox-Detektiv-Abenteuer. Mitglieder der Stadtwache müssen einen Diebstahl aufklären. Das Abenteuer veläuft dabei nicht auf Schienen, sondern bietet sehr viele Spuren, die zunächst in verschiedene Richtungen weisen. Spieler*innen können sich frei entscheiden, welcher Spur sie nachgehen. Dabei suchen sie interessante Orte auf, reden mit skurrilen NSCs, und treiben Schabernack.

Leichte Regeln, skurrile NSCs und Schabernack? Das ist GENAU mein Ding.

Nicht ganz sicher bin ich mir, ob das am Abenteuer, am System oder an der Spielleitung lag, aber hier war noch etwas dabei, das mir sehr wichtig ist: Failing Forward. Fehlschläge waren nie das Ende einer Szene, sondern nur die Würze, die sie interessanter machte. Die Story ging immer weiter, und wir landeten nie in einer Sackgasse.

Ich werde mir auf jeden Fall den Schnellstarter besorgen. Wenn das Abenteuer auch nur halbwegs so aufbereitet ist, dass ich damit arbeiten kann, werde ich das bei nächster Gelegenheit leiten.

Ulisses bringt übrigens die deutsche Übersetzung raus.

Ratcon 2026 – Fazit

Es ging sich alles gut aus. So viel Ärger und Frust, und am Ende war ich durchgehend versorgt mit guter Unterhaltung und netten Menschen.

Ich habe mich zu viel geärgert. Die schlechte Laune, die ich hatte, stand in keinem Verhältnis zu dem bisschen Ungemach, das mir am Ende widerfahren ist. Diese Erkenntnis nagt an mir.

Gleichzeitig kämpfe ich aber auch mit einem anderen Gedanken: Ich glaube, die Ratcon in Langen ist kein bequemer Ort, um Rollenspiel zu spielen.

  • Es ist viel, viel, viel zu laut in den Spielräumen.
  • Im Außenbereich, in dem es nicht so schlimm hallt, sitzt man aber in der prallen Sonne.
  • Es gibt eine Terasse mit Sonnensegeln, und da würde ich wirklich gerne spielen, aber die Plätze sind begrenzt. Außerdem, so habe ich mir sagen lassen, hat sich auch dieses Jahr niemand drum gekümmert, dass es dort Abends Beleuchtung gibt.

All diese Punkte sind bekannt. Hier gab es in drei Jahren keine Verbesserung. Daher erwarte ich auch in Zukunft keine. Manches hat sich sogar verschlimmert: Die Spielrundenanmeldung ist ein kritischer Fehlschlag. Außerdem gab es letztes Jahr im Außenbereich wenigstens Sonnenschirme.

Immerhin ist der Innebereich ordentlich klimatisiert. Das ist ein Punkt für die Neue Stadthalle Langen. Wirklich, die Klimaanlage ist Gold wert. Aber sie reicht mir nicht.

Ich gehe auf Cons, um zu spielen. Dass die Spielrundenanmeldung katastrophal ist, kann ich verkraften, wenn am Ende Runden zustande kommen, und ich in diesen Spaß haben kann. Ob die Veranstaltungen, Workshops, und Präsentationen gut sind, ob die Händlerstände vernünftig erreichbar sind, ob die Qualität des Essens und die Kaffeepreise stimmen, ob der Einlass ordentlich geregelt ist, und ob der Veranstalter Kommunikation kann – all das ist für mich zweitrangig, wenn ich nur ein Wochenende lang von Früh bis Spät Rollenspielen kann. Die Ratcon in Langen ist ein Ort, an dem das zwar möglich ist, aber nur unter Schmerzen. Rückenschmerzen, wenn man 4h+ auf Bierbänken sitzt; Ohren- und Halsschmerzen, wenn man im Innenbereich spielt.

Was mache ich jetzt mit der Erkenntis? Und was mache ich mit meinem Ärger, der trotz aller berechtigten Kritik, nicht wirklich angemessen ist?

Ich kann Ulisses nicht ändern. Und Ulisses hat gezeigt, dass sie die Punkte, die mich stören, nicht verbessern können oder wollen. Also muss ich mich selbst ändern, oder kapitulieren.

Vielleicht brauche ich mal ein Jahr Ratcon-Pause. Dabei könnte ich lernen, dass mir die Tradition, im Sommer zur Ratcon zu fahren, wichtiger ist als alles andere. Dann könnte ich auch mit neuer Begeisterung und mit der nötigen Gelassenheit an die Ratcon 2028 herangehen. Das ist jedenfalls meine Hoffnung.

Ich habe die Entscheidung noch nicht getroffen. Aber ich weiß jetzt schon: So wie bisher kann ich das nicht nochmal machen. Falls ich auf die Ratcon 2027 fahre, dann mit einer anderen Einstellung im Gepäck. Aber auf jeden Fall wieder mit einer Tüte voll Seele Mediterran vom Bauder.
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In anderen Medien
Hier verlinke ich andere Con-Berichte von der Ratcon 2026.
Epic Adventures legt den Schwerpunkt auf die Neuigkeiten & Events. Also all das, was bei mir fehlt.

Mich interessieren andere Meinungen und Erfahrungen. Besonders solche, die sich von meiner unterscheiden. Vor allem würde mich der Blick auf die Ratcon interessieren, den Menschen haben, die nicht primär zum Spielen hinfahren. Wie fanden die Event-Besucher*innen die Ratcon, also diejenigen, die sich für die Shows, Workshops, Lesungen und für die Versteigerung begeistern? Lass mir doch einen Kommentar da – würde mich wirklich freuen.

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1 Kommentar zu Ratcon 2026

  1. Ich war 2026 in einer tollen Runde bei dir am Abend und draußen. Alles vorher war tatsächlich schwierig, weil laut oder heiß.
    Den fehlenden Namen der Spielleitung finde ich auch sehr schade oder sogar eher ärgerlich.
    Danke für deine Eindrücke von Ratcon 2026, auf der ich selbst nicht war.

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