Numenéra Destiny: Hausregeln für’s Ressourcenspiel ohne Crunch

Destiny Light
Jetzt ohne Crunch!

Die Regeln aus dem Band Numenera: Destiny sind erstaunlich crunchig, wenn man sie mit dem ansonsten so leichtfüßigem Regelwerk vergleicht. Ich würde sogar sagen, sie sind stellenweise zu crunchig. Zumindest, wenn man keine der Destiny-Charakterklassen spielt.
Gleichzeitig sind die Themen, die mit diesen Regeln abgedeckt werden, spannend und spaßversprechend. Daher habe ich die Regeln etwas entschlackt.
Ich präsentiere: Destiny Light.
(Serviervorschlag: Zusammen mit dem Kampagnenband Slaves of the Machine God kredenzen. Die Kampagne setzt die Destiny-Regeln ohnehin voraus.)

 

Du kennst Numenera, hast aber trotzdem keine Ahnung, wovon ich gerade rede? Dann gebe ich dir erstmal etwas Kontext.
Du bist ein alter Hase und willst nur wissen, wie ich die Regeln anpasse? Dann kannst du gleich zu den Hausregeln springen.

Was ist Numenéra Destiny?

Hintergrund für die Nicht-Eingeweihten: Destiny ist ein Kern-Regelband der zweiten Edition von Numenéra.
Ja, richtig gelesen: Numenéra gibt es schon in der zweiten Edition. Oder eher: Edition 1.5. Denn die Änderungen sind nicht dramatisch. Produkte der ersten Edition sind 99 % kompatibel mit denen der zweiten.
Diesen Editionswechsel kann man also inhaltlich schnell verpassen. Und auch sonst ist es kein Wunder, dass du diese Neuigkeit verschlafen hast, denn auf Deutsch erschienen ist bisher nur die erste Edition. Dabei wird es in absehbarer Zeit auch bleiben. (Quelle: Uhrwerk Verlag.) Wer die aktuellste Numenéra-Edition bespielen möchte, sollte also des Englischen mächtig sein.

Zurück zur Ausgangsfrage: Was ist Destiny?

Numenéra 2E besteht nicht mehr aus einem Grundregelwerk, sondern aus zweien: Numenéra Discovery und Numenéra Destiny.

In der ersten Edition ging es hauptsächlich ums Entdecken, Staunen, Kämpfen und natürlich darum, verrückte Cypher abzustauben. Das bleibt auch weiterhin enthalten – im Band Discovery.
Wirklich Neues gibt es nun im zweiten Band: Destiny. Hier geht es ums Aufbauen, ums Erschaffen von Neuem. Also darum, nicht nur sich selbst zu verbessern, sondern auch die Welt um sich herum voranzutreiben. Das passiert hauptsächlich durch zwei neue Regelkomplexe:

  • Crafting: Herstellen von Numenera
  • Communities: Aufbauen neuer Siedlungen

Für beides gibt es zudem brandneue Descriptors, Foci und sogar neue Character Types, deren besondere Fähigkeiten in diese Regelkomplexe einspielen. Damit halte ich jetzt aber nicht weiter auf. Stattdessen sprinte ich mit dir durch die allerwichtigsten Randdaten zum Crafting, damit du mit meiner Regelkurzfassung etwas anfangen kannst.

Crafting: Numenera und Gebäude herstellen

Um Numenera herzustellen oder verrückte Gebäude zu errichten, brauchst du natürlich die richtigen Ressourcen. Destiny kommt mit einer erstaunlich großen Liste verschiedenster Ressourcen. Diese lassen sich in drei Hauptkategorien einteilen:

  • Material: Das ist herkömmliches Material wie Holz oder Stein. Weil Monte Cook normale Dinge langweilig findet, hält er sich hier mit keiner genaueren Unterteilung auf und fasst alles unter Material zusammen. (Eine Warnung, damit du dich nich so sehr verwirren lässt wie ich: Monte Cook nutzt das Wort “Material” leider teilweise auch für alles andere, vor allem für “Parts”. Quantifiziert wird Material in units. Man braucht also X units of Material. Teilweise steht in den Tabellen nur das Wort Units, gemeint ist aber Material. Teilweise wird units aber auch gebraucht, um Parts und Iotum zu quantifizieren.)
  • Parts: Das ist ebenfalls herkömmliches Material, nur bereits verarbeitet. Gemeint sind Schrauben, Kabel, Bolzen, etc.
  • Iotum: Das ist der ganze verrückte Kram, den man für Numenera benötigt. “Iotum” ist nur ein Überbegriff – und gleichzeitig die am häufigsten vorkommende Komponente. Daneben gibt es aber noch 24 weitere Ressourcen mit sprechenden Namen wie: Psiranium, Philosophine, Oraclumum und Cosmic foam. Jedes Iotum hat besondere Eigenschaften und Quirks.

Diese drei Arten von Ressourcen erfüllen zwei verschiedene Funktionen:

    1. Um Numenera herzustellen, braucht man sowohl Iotum als auch Parts. Natürlich nicht irgendwelches Iotum, sondern genau die richtige Unterart, je nach dem, was man genau herstellen möchte.
    2. Um Gebäude zu errichten, oder gewöhnliche Gegenstände herzustellen (Waffen, Rüstungen, Werkzeuge), braucht man vor allem Material. Bei Gebäuden braucht man selten einmal Parts, und manche Rüstungen erfordern kleine Mengen an Iotum.

Natürlich gibt es auch einige Numenera, die im weitesten Sinn als Gebäude zählen. Zum Beispiel eine Vorrichtung zur Wasserwiederaufbereitung. Diese “Installations” benötigen aber auch nur Iotum und Parts, und nicht zusätzlich auch noch Material.

Salvaging Iotum: Ressourcensammeln I

Aber woher soll man Iotum nehmen, wenn nicht aus alten Ruinen stehlen? Keine Ahnung, aber alte Ruinen sind genau der Ort, an dem man Iotum findet. Zumindest ingame. Outgame würfelt man auf verschiedenen Tabellen.

Hier muss die Spielerin die Entscheidung treffen, ob sie
a) nach einem bestimmten Iotum sucht,
b) nur irgendwelches Iotum haben möchte,
oder ob sie lieber
c) Cypher finden will.
Alles zusammen geht nicht, schließlich ist Iotum das, was übrig bleibt, wenn man die Cypher zerlegt.

So viel zum Ressourcensammeln wie es im Buche steht. Zusammengefasst sieht es nicht nach viel aus, aber 25 Ressourcen und zwei verschiedene Ressourcentabellen zusätzlich zur Cypher-Tabelle stellen für neue oder (und dazu zähle ich) faule arbeitsscheue Spielleiter eine Einstiegshürde dar. Zum Glück lässt sich diese mit ein paar Handgriffen aus dem Weg räumen absenken.

Aber vorher kläre ich schnell noch…

Acquiring Material: Ressourcensammeln II

Wie kommen die SCs an Material, also an Holz, Stein, Ton, etc.?

Wie sie ingame an diese Materialien kommen, hängt natürlich von den Umständen ab. Aber die offiziellen Regeln sind hier angenehm einfach: Ein SC muss einfach nur Zeit aufbringen, um die Materialien zu organisieren. Eine Probe ist nicht nötig.

Falls die SCs keine Zeit, dafür aber Shins haben, können sie auch einfach Material kaufen.

Hier die Schnellübersicht:

  • 1 Unit = 2 Stunden Arbeit (keine Probe nötig, aber eine Quelle)
  • 100 Units= 50 Shins oder 1 Cypher

Hausregel: Ein Iotum für alle!

25 Iotum-Unterarten und zwei Salvaging-Tabellen (sowie eine Cypher-Tabelle) stehen zwischen mir und einem flüssigen Spiel. Daher hole ich den Rotstift und erkläre alle Iotum-Arten, auch mein geliebtes Philosophine, zu reinem Fluff. Regeltechnisch bleibt nur die eine Überkategorie: Iotum.

Das ist auch schon das ganze Geheimnis meiner Destiny-Light-Version. Genau wie Holz und  Stein regeltechnisch zu “Material” zusammenfallen, unterscheide ich in den Regeln nicht zwischen Responsive synth und Synthsteel, sondern nenne alles “Iotum”.

Alles, was jetzt folgt, sind nur noch Details. (Also das, was wirklich Arbeit macht.)

Hausregel: Ressourcensammeln Light

  • Voraussetzung: Light Tools.
  • Zeitaufwand:
      • Normal: 15 Minuten
      • Schnell: 1 Minute (+3 Level Schwierigkeit)
  • Probe: Talent Salvaging Numenera vs. „Level of the Source“
  • Ergebnis:
      • 1d20 Iotum
      • 1d6 Cypher
      • 1d10 shins
      • 1d10 Parts
  • Sonderregel: Eine 20 beim Such-Wurf gibt immer 1 Artefakt

Das ist mein Cheat-Sheet. Es hält sich im großen und ganzen an die offiziellen Regeln; ich habe nur den Teil mit dem “Ergebnis” deutlich reduziert. Die Spielerin muss sich nicht mehr entscheiden, ob sie gezielt nach einem bestimmten Iotum sucht, oder zufälliges Iotum nimmt, denn hier gibt es keinen Regelunterschied mehr. Was es noch gibt, sind die Voraussetzungen: Ohne Werkzeuge (Light Tools) ist das Ressourcensammeln nicht möglich. Ein Versuch dauert ca. 15 Minuten. Falls die Heldin es eilig hat, kann sie dies auf eine Minute reduzieren, dann steigt aber die Schwierigkeit um drei Schritte.
Jede Quelle für Iotum bekommt ein Level. Dieses legt die Schwierigkeit für die Talentprobe Salvaging Numenera fest. Das Talent Understanding Numenera hilft bei dieser Probe nicht. Aber es kann helfen, überhaupt erst eine Fundstelle auszumachen. Die Nano-Esoterie Scan hilft ebenfalls nur beim Auffinden einer Quelle, kann aber die Salvage-Probe um ein Level erleichtern.
Bei Erfolg findet die Heldin nicht nur eine zufällige Menge Iotum, sondern auch Cypher, Shins und Parts. Bei einer besonders gut gelungenen Salvaging-Probe, also einer 20 auf dem W20, kommt noch ein Artefakt obendrauf.
Falls dich das wundert: Cypher, Artefakte, Shins und Parts sind auch in den Original-Regeln Teil einer erfolgreichen Salvaging-Probe. Nur wieviele es jeweils sind, und wie oft man würfeln muss, um dies herauszufinden, habe ich hier geändert.

Hausregel: Numenera craften

Die Regeln für die Herstellungsproben von Numenera oder Gebäuden habe ich mir nicht angeschaut, denn ich habe keine SpielerInnen, die sich hierfür interessieren. Bei Interesse kann ich das aber gerne nachreichen – schreib mir das einfach in die Kommentare.
Bei mir werden die SCs hauptsächlich mit der Beschaffung beschäftigt sein. Die Herstellung übernehmen dann die NSCs.

Meine vereinfachten Beschaffungsregeln haben aber natürlich eine direkte Konsequenz für’s Craften: Für die verschiedenen Numenera braucht man nicht mehr verschiedene Iotum.

In den Original-Regeln sind die verschiedenen Iotum unterschiedlich selten und daher unterschiedlich wertvoll. Für das Zusammenfassen von Iotum könnte ich das berücksichtigen, aber ich bin nunmal ein arbeitsscheuer Spielleiter, daher wird das eiskalt ignoriert. Die einzige Arbeit, die bleibt, ist, die erforderlichen Iotum-Unterarten zusammenzuzählen.

Ein Beispiel:

Um die Numenera-Installation “Alarm Tower” herzustellen, brauchst du:

Iotum: Io (1d6 units); responsive synth (10 units); synthsteel (8 units); apt clay (3 units); mimetic gel (2 units); amber crystal (5 units); quantium (2 units); midnight stone (2 units)

Mir ist das zuviel, deshalb brauchst du in meiner Light-Version nur:

Iotum: 36 (1d6 zähle ich als 4)

Der Rest ist reine Fleißarbeit. (Ja, ich weiß. Bäääh. Aber du kannst nebenher Podcast hören. Ich empfehle den Numenéra-Podcast Ninth World Journal.)
Ursprünglich hatte ich dir einen Teil der Fleißarbeit abgenommen und eine Tabelle vorbereitet mit den Kosten für einige Numenera-Installationen sowie für den Großteil der normalen Gebäude, beides inklusive den Boni, die diese Gebäude der Community geben. Außerdem hatte ich eine knappe Erklärung, welche Werte eine Community hat und wie diese funktionieren. Mit allem zusammen hättest du auch ohne den Destiny-Band zu besitzen etwas anfangen können. Dann ist mir aber aufgefallen, dass genau das Monte Cooks Fan Use Policy widerspricht.
Schade drum. 

tl;dr

Du besitzt Destiny und möchtest die Salvaging- und Crafting-Regeln etwas entschlacken?

  • Für’s Salvaging nutzt du meine Tabelle.
  • Für’s Crafting zählst du einfach alle Iotum-Unterarten zusammen.

Fertig.

 

Fertig ist auch der Blog-Beitrag.

In einem älteren Numenéra-Artikel habe ich – ganz ohne Regeln – die Stadt Aian etwas ausgeschmückt. Schau da doch mal vorbei, wenn du einen Ausflug in die Heimfeste planst.

Von größerer Regellast befreit wird garantiert auch mein nächster DSA-Blogartikel werden. Der erscheint im Juni und wird sich um die Vorbereitung von DSA-Fertig-Abenteuern drehen.

Du willst nicht so lange warten? Dann wird es dich freuen, dass es einen Mai-Bonus-Artikel gibt, als Ausgleich dafür, dass “Destiny Light” aufgrund des Fanrichtlinien-Debakels wertvolle Inhaltsstoffe eingebüßt hat. Es handelt sich dabei um meinen ersten Beitrag zum Karneval des Rollenspielblogs. Der Beitrag besteht zu einem Drittel aus Regelvorschlägen, zu einem weiteren Drittel aus Rollenspieltheorie und zu einem letzten Drittel aus knallhartem Genöle. Schau mal rein in: Labyrinthe und Irrgärten im Rollenspiel – Nein danke.

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